Historischer Hintergrund

Die Schiffe von Oberstimm

Um 40/50 n. Chr. errichteten die alten Römer in Oberstimm südlich des heutigen Ingolstadt ein Militärkastell. In unmittelbarer Nähe dieser Anlage entdeckten Archäologen 1986 im Bereich eines heute verlagerten Nebenflusses der Donau die Überreste zweier römischer Militärschiffe mediterraner Bauart. 1994 konnten diese von Mitarbeitern des Museums für Antike Schifffahrt in Mainz geborgen werden. Es wurde vermutet, dass dieser Schiffstyp als Patrouillenboot und zum Geleitschutz, aber auch in Gefechten zu Wasser eingesetzt wurde. Nach ihrem Fundort erhielten die beiden Schiffe die Namen Oberstimm 1 und Oberstimm 2. Seit 2006 sind sie im Keltisch-Römischen Museum Manching ausgestellt. Sie dienten als Vorlage für den Bau der „Victoria".

Die Planken beider Fundschiffe bestehen aus Kiefernholz; der Kiel, das Kielschwein, die Spanten und Duchten sind hingegen aus Eiche gefertigt. Dendrochronologische Untersuchungen zur Datierung der Funde ergaben, dass das Eichenholz vermutlich zwischen 90 und 100 n.Chr. geschlagen wurde.
Beide Oberstimm-Schiffe sind nicht in voller Länge erhalten, jedoch lassen sich aus der Kombination beider Funde die Maße und das Aussehen der Schiffe rekonstruieren. An diesen Erkenntnissen orientiert misst die „Victoria" 16 Meter in der Länge und fast drei Meter in der Breite. Sie verfügt über 20 Ruderplätze sowie Platz für einen Steuermann und einen Bootsführer. Für den Bauplan lieferte das Museum für Antike Schifffahrt in Mainz die grundlegende archäologische Studie und stellte ein Modell zur Verfügung, an dem sich die Konstrukteure orientieren konnten. Wie die alten Römer verwendeten die Schiffsbauer auch beim Nachbau die Nut- und Federbauweise. Insgesamt kostete der Nachbau des Römerschiffs rund 250.000 Euro.