16.01.2007 Kiellegung
Im Hamburger Hafen erfolgt in Anwesenheit zahlreicher geladener Gäste und Vertreter der Presse in der Werft von Jugend in Arbeit e. V. der Startschuss für ein außergewöhnliches Projekt: Unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Schäfer wollen Geschichtsstudenten der Universität Hamburg zusammen mit Praktikanten und Auszubildenden der Werft Jugend in Arbeit e. V. innerhalb eines guten Jahres ein römisches Kriegsschiff der frühen und hohen Kaiserzeit originalgetreu nachbauen. Angeleitet werden soll die Gruppe von erfahrenen Bootsbauern der Werft. Universitätspräsidentin Prof. Dr. Monika Auweter-Kurtz freut sich in ihrer Ansprache darüber, dass die "Geisteswissenschaften sehr wohl in der Lage sind, den viel zitierten Elfenbeinturm zu verlassen und sich im Wettbewerb zu behaupten". Darüber hinaus sei das Vorhaben durch den Zusammenschluss mit der Werft von Jugend in Arbeit e. V. auch ein Vorzeigeprojekt im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. "Schiffe und Hamburg gehören zusammen", so Auweter-Kurtz weiter, daher sei die Hansestadt der "ideale Standort für dieses einmalige Projekt".
Als Initiator und Leiter der Projekts, das den passenden Namen "Mit im Boot" tragen wird, betont Christoph Schäfer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Hamburg, die Bedeutung des Vorhabens für die Wissenschaft. Die Experimentelle Archäologie habe sich als "Teil der wissenschaftlichen Methodik etabliert", und ihre Ergebnisse seien in hohem Maße verlässlich. Eine zentrale Frage, die mit Hilfe des Nachbaus geklärt werden soll, ist die nach der Leistungsfähigkeit und Manövrierbarkeit des Schiffs. Welche Geschwindigkeit konnte es erreichen? War es auch von einer wenig erfahrenen Mannschaft befahrbar? Über allem steht die Frage nach den realen Fahreigenschaften des Schiffs, die sich allein anhand archäologischer Befunde nicht klären lässt. Der Nachbau soll dabei sowohl einen Einblick in die praktische Nutzbarkeit des Schiffs, als auch in die Lebensumstände der römischen Soldaten liefern. "Der Schiffstyp, den wir hier rekonstruieren wollen, stellt ein Hi-Tech-Produkt aus der Zeit von Kaiser Augustus dar", erläutert Schäfer; "zu sehen, zu welchen Leistungen Schiffe dieser Bauart tatsächlich im Stande waren, wird uns viel über das Leben und Arbeiten der Soldaten in den damaligen Grenzgebieten des römischen Imperiums verraten."
Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des Westfälischen Römermuseums in Haltern, stellt die Bedeutung des Vorhabens im Rahmen des Ausstellungsprojekts "Imperium Konflikt Mythos – 2000 Jahre Varusschlacht" heraus, das 2009 zu einem Höhepunkt des deutschen Kulturlebens werden soll. Die Varusschlacht, auch bekannt als "Schlacht im Teutoburger Wald", habe die politischen Verhältnisse in den auf sie folgenden Jahrhunderten wesentlich geprägt. Rudolf Ehrental, Geschäftsführer von Jugend in Arbeit e. V. und zweiter wichtiger Kooperationspartner des Projekts, betont die angenehme und konstruktive Zusammenarbeit theoretischer Wissenschaft und handwerklicher Praxis. Die Mitarbeiter und Auszubildenden von Jugend in Arbeit e. V. seien zwar erfahren in der Restauration historischer Schiffe wie der Rickmer Rickmers im Hamburger Hafen, doch der Nachbau eines antiken römischen Kriegsschiffs sei auch für sie etwas ganz Neues und Besonderes – entsprechend groß sei die Vorfreude, mit dem Projekt zu beginnen.
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