November 2007: Der Bau des Kielschweins

Der genaue Ursprung des Begriffs "Kielschwein" liegt im Dunkeln – klar ist aber, dass Schiffsbauer mit diesem Ausdruck ein längliches Bauteil bezeichnen, das vom Bug zum Heck verläuft und in erster Linie dazu dient, dem Schiff Längssteifigkeit zu verleihen und Anbindungsmöglichkeiten für die Spanten und Bodenwrangen zu bieten. Bei "Mit im Boot" weist das Kielschwein eine Länge von neun Metern auf und besteht – wie die Planken – aus Lärchenholz. Es wird komplett aus einem einzigen Baumstamm gefertigt. Damit das Kielschwein später an genau den richtigen Stellen und in der richtigen Form Aussparungen für die Spanten im Kielbereich aufweist, wird eine exakte Schablone, das Ree, hergestellt. Verantwortlich für diesen kniffligen Arbeitsschritt ist der angehende Bootsbauer Jesper Boenigk, der ihn mit Bravour meistert und eine passgenaue Vorlage für die Bearbeitung des Kielschweins anfertigt.

Der eigentliche Zuschnitt des Kielschweins wird von zwei Personen ausgeführt, denn für diesen Arbeitsschritt wird eine besonders große und schwerer zu handhabende Kreissäge verwendet. Darüber hinaus muss bei der Führung der Säge auf der angerissenen Linie auf größte Genauigkeit geachtet werden. Ist das Holz für das Kielschwein ausgesägt, können die Teammitglieder die Aussparungen für die Spanten ausstemmen. Das bedeutet wieder einmal große körperliche Anstrengungen! Anschließend wird das Kielschwein durch den noch offenen Bug in das Schiff eingeführt. Das Einsetzen erfordert eine ruhige Hand, was bei der Schwere des Bauteils keine leichte Aufgabe ist. Das Holz muss durch die verbliebenen Malen und unter den Ruderduchten hindurch bis zum Heck geschoben werden. Erst wenn das Kielschwein richtig liegt, kann das Team die letzten Anpassungsarbeiten vornehmen.

Zum Abschluss wird das Holz mit eigens für den Nachbau geschmiedeten Nägeln mit dem Rumpf verbunden. Die Nägel bestehen zu 99,75 Prozent aus reinem Eisen, die nur im Nachkommatstellenbereich nachweisbaren anderen Bestandteile wie Phosphor und Kupfer stellen Beiprodukte des Schmiedeprozesses dar. Die Nägel werden mit Leinöl brüniert, wodurch sich eine dünne Schutzschicht auf ihrer Oberfläche bildet, die Korrosionsvorgänge verhindern und das Eisen vor dem Einfluss der Gerbsäure im Eichenholz schützen soll. Obwohl das Kielschwein selbst zwar aus Lärche besteht, gehen die Nägel bis in den darunterliegenden Rumpf aus Eichenholz durch und wären dort der aggressiven Säure ausgesetzt. Ein Schutz ist also dringend erforderlich, um die Nägel auf Dauer zu erhalten.

Auf dem Kielschwein wird am Ende des Baus der Mast aufgestellt werden, der die im Segel entstehende Kraft auf das Boot verteilt. Auch aus diesem Grund ist die Stabilität des Kielschweins von besonderer Bedeutung – last but not least stehen auf ihm auch die Duchtstützen, auf denen die Ruderbänke liegen.

Datum:
1. November 2007