Interview mit Rudolf Ehrenthal, Geschäftsführer von Jugend in Arbeit e. V. Hamburg
Herr Ehrenthal, Jugend in Arbeit e. V. wurde 1983 als gemeinnütziger Verein gegründet - welche Zielsetzung verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?
Rudolf Ehrenthal: Ziel des Vereins ist die Ausbildung von Jugendlichen in anerkannten Ausbildungsberufen sowie die Berufsvorbereitung in verschiedenen Gewerken. Außerdem fördert der Verein die Beschäftigung von Arbeitslosen und deren berufliche Qualifizierung. Zurzeit hat Jugend in Arbeit ca. 45 Auszubildende in den Berufen Bootsbauer, Tischler, Elektriker und Konstruktionsmechaniker. Den Schwerpunkt bilden die Bootsbauer.
Was unterscheidet Jugend in Arbeit e. V. von anderen Ausbildungsstätten?
Die Ausbildung wird finanziert aus vereinseigenen Mitteln, durch private Sponsoren, die Bundesagentur für Arbeit und die Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Stadt Hamburg. In den Programmen der Behörden werden Jugendliche ausgebildet, die im ersten Arbeitsmarkt keinen Ausbildungsplatz bekommen haben. Für diese Jugendlichen bietet der Verein einen besonderen Förderunterricht und eine sozialpädagogische Betreuung an.
Wer sind die Menschen, die zu Ihnen kommen?
Bei den Auszubildenden handelt es sich vor allem um Haupt- und Realschüler, aber auch um Abiturienten. Bei den Teilnehmern der berufsvorbereitenden Maßnahmen sind es gering qualifizierte und benachteiligte Jugendliche. Die Erwachsenen waren vorher im Bezug des Arbeitslosengeldes I oder Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die sich in Maßnahmen nach § 16 (3) SGB II befinden (so genannte 1-Euro-Jobber).
Jugend in Arbeit e. V. hat sich auf historischen Schiffsbau spezialisiert. Sie restaurieren zum Beispiel alte Dampfschiffe, Fischkutter, Segelyachten oder Lastkräne - wie ist es gerade zu dieser Arbeitsausrichtung gekommen?
Die Ausrichtung auf den historischen Schiffbau ist historisch gewachsen und war ursprünglich nicht das erklärte Ziel des Vereins. Nach und nach wurde jedoch so viel Wissen und Erfahrung angesammelt, dass Jugend in Arbeit Hamburg e.V. inzwischen als erfahrenste Werft Deutschlands in diesen Bereich gilt.
Welche Relevanz haben Kenntnisse über historische Schiffsbauweisen Ihrer Einschätzung nach in der heutigen Zeit?
Um nicht nur als Museumsschiffe im Hafen zu liegen, sondern zum Betrieb mit Fahrgästen zugelassen zu werden, müssen auch die älteren Schiffe den aktuellen Bestimmungen genügen und verfügen zum großen Teil über modernste Technik. Dabei kann es sich um die Schiffselektrik, die Antriebstechnik oder um das Radar handeln. Im Bereich Kunststoff werden von den Bootsbauern beispielsweise Materialien verarbeitet, die denen im Flugzeugbau sehr ähneln. Dass die Erfahrungen im historisch Schiffbau auch auf einer modernen Yachtwerft nützlich sind, lässt sich vielleicht an der Vermittlungsquote von 100% in den ersten Arbeitsmarkt bei den Bootsbauer verdeutlichen.
Wie sind Jugend in Arbeit e. V. und das Projekt "Mit im Boot" zu Partnern geworden und wie ist bei Ihnen die interne Resonanz auf das Projekt?
Herr Prof. Schäfer von der Uni Hamburg fragte, ob wir eine Möglichkeit sehen würden, uns an dem Projekt zu beteiligen. Nach einem weiteren Gespräch mir Herrn Dr. Aßkamp vom Römer Museum in Haltern beschlossen wir, das Projekt gemeinsam durchzuführen. Die interne Resonanz ist ausgesprochen positiv, denn wer hat schon die Gelegenheit an einem Nachbau eines alten Römerschiffes mitzuarbeiten?
Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt?
Wir hoffen mit diesem Projekt zeigen zu können, dass eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis auf sehr unkomplizierte Weise erfolgreich durchgeführt werden kann.
Das Interview führte Katrin Schmidt
- Login to post comments




